Box-Sharing - clever umziehen!

Die Idee für Box-Sharing bekamen Jarid und ich aus den USA mit. Ich hatte Jarid gerade bei seinem Umzug geholfen und der verlief alles andere als reibungslos. Das Umziehen war nicht gerade entspannt - ein typischer Umzug eben. Mit diesem kürzlich erlebten Schrecken im Gedächtnis stolperte Jarid über Facebook auf das Konzept mit den Umzugsboxen aus Plastik. Er hatte während der Schulzeit ein Auslandssemester in den USA gemacht und pflegt noch den Kontakt zu einigen Bekannten aus dieser Zeit. Jarid erzählte mir also von der Idee und konnte mich sofort damit begeistern. Also schauten wir, ob es sowas auch bei uns in Hamburg gibt - vorsorglich für den nächsten Umzug. Erstaunt stellten wir fest, dass es das hier nicht gab. In anderen Städten wie Berlin oder München gab es schon ähnliche Konzepte von kleinen Firmen. So kam eins zum anderen. Jarid studierte zu der Zeit BWL und ich Umwelttechnik. Wir spielten immer wieder durch, wie es wäre selbständig zu sein, wie wir es aufbauen und finanzieren könnten. Bis wir irgendwann zu dem Schluss kamen, es einfach zu versuchen und zu schauen, wie es ankommt.

Mich persönlich hat der nachhaltige Gedanke, der dahintersteckt, motiviert. Zuerst scheint es absurd von umweltfreundlichen, nachhaltigen Plastikboxen zu sprechen. Würde man die Umzugsboxen aus Plastik auch nur ein einziges Mal verwenden, träfe dies auch nicht zu. Jedoch können unsere Boxen bis zu 500 Mal genutzt werden. Sie bestehen zudem aus 100% Polypropylen und sind somit relativ einfach zu recyceln, um neue Boxen herzustellen. Außerdem stellt unser Lieferant die Boxen hier in Deutschland her. Daher gibt es keine langen Lieferwege und es wird Deutschland als Produktionsstandort gestärkt. In vielen Bereichen des Lebens stellt es für Menschen einen Einschnitt in ihr Leben dar, wenn sie auf umweltfreundliche Alternativen umsteigen müssen oder wollen. In diesem Fall hat mich besonders begeistert, dass der Kunde statt Einschnitten sogar noch Vorteile erhält, wenn er die umweltfreundliche Alternative wählt. Die Boxen lassen sich sowohl geschlossen als auch geöffnet sehr gut stapeln. Bei Regen nässen die Umzugsboxen nicht durch und sie sind zudem auch noch belastbarer als ihr Pendant aus Pappe.

Unser Geschäftsmodell basiert auf unserer Website und unseren Boxen. Der Kunde entscheidet auf box-sharing.de, ob er unsere Boxen zum Einlagern oder zum Umziehen mieten möchte. Wenn der Kunde mit den Plastikboxen umziehen möchte, wählt er eine Lieferadresse und eine Abholadresse sowie die Mietdauer aus. Eine Box kostet für 2 Wochen zur Miete 1,26€. Sollte die Mietdauer länger als 2 Wochen sein, kostet jede Box weitere 9 Cent pro Tag. Für einen reibungslosen Ablauf beim Umziehen bieten wir auf unserer Website auch noch Rollwagen, Sackkarren und Packdecken zur Miete sowie weitere kleine Helfer zum Kaufen an.

 

Möchte der Kunde die Boxen zum Lagern nutzen, bekommt er von uns die gewünschte Anzahl an leeren Boxen nach Hause geliefert. Er füllt diese und wir holen die gefüllten Boxen am Abholdatum wieder ab. Wir berechnen dem Kunden nur die befüllten Boxen. Sollte der Kunde also zu viele Boxen bestellt haben, nehmen wir die leeren Boxen einfach wieder mit, ohne ihm diese in Rechnung zu stellen. Die gefüllten Boxen können dann im Kundenbereich auf unserer Website mit dem jeweiligen Inhalt „beschriftet“ werden. Dafür ist jede Box mit einem QR-Code und einer einmaligen Nummer beschriftet. So hat es der Kunde einfach, falls er eine oder mehrere Boxen zurückordern möchte. Jede Rücklieferung wird mit einer Pauschale von 10€ berechnet. Das erneute Abholen der Boxen bleibt für den Kunden kostenfrei.

Die beiden Gründer Jarid Degler und Benjamin Wagner
Die beiden Gründer Jarid Degler und Benjamin Wagner

Auf Partner angewiesen sind wir nicht. Jarid und ich haben uns einen unparteiischen dritten Partner ins Boot geholt, welcher uns in schwierigen Situationen helfen und beraten kann. So wollten wir eine Pattsituation im unrealistischen Fall eines Streites vermeiden. Dieser hat jedoch nichts mit dem operativen Geschäft zu tun. Als Startkapital haben wir das genommen, was wir in der Zeit davor zusammengespart haben. Wir sind komplett selbstfinanziert und haben kein Geld von Investoren benötigt. Der Hauptteil unserer Ausgaben bezog sich auf unser Produkt, also auf die Boxen, die wir gekauft haben.

 

Die größte Schwierigkeit stellte eigentlich unser persönlicher Anspruch an unsere Website dar. Wir hatten eine ziemlich genaue Vorstellung, wie unsere Website funktionieren sollte. Wir brauchten einen eigenen Kundenbereich, wo der Kunde seine eingelagerten Boxen verwalten kann, um so den Überblick über seine Boxen zu behalten. Ebenso benötigten wir einen Kalender zur Terminauswahl innerhalb des Bestellvorgangs sowie die Möglichkeit zur Eingabe mehrerer Adressen. Also brauchten wir nicht nur eine Website, sondern auch noch eine dazugehörige Datenbank. Alles verpackt in einem modernen Design. Viele Webagenturen, die wir ansprachen, boten uns nicht zufriedenstellende Lösungen an, es sei denn, wir würden Abstriche in gewissen Punkten machen. Da wir dies aber nicht wollten, suchten wir weiter nach einer anderen Möglichkeit. So trafen wir nach einiger Suche auf unser nächstes Mitglied im Team, unseren Programmierer Kim. Dieser schloss gerade die Schule ab und war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Dadurch, dass wir keine Agentur beauftragten, sondern unsere Website „im Haus“ produzierten, war es uns möglich, die Website genau nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Wir benötigten vielleicht ein wenig länger dadurch, jedoch war der Lerneffekt für uns drei umso größer.

Auf die Frage, ob ich etwas anders machen würde, wenn ich nochmal am Anfang der Gründung stehen würde, lautet die Antwort: Nein. Klar ist man im Nachhinein immer schlauer als vorher, aber gerade durch die Fehler, die wir gemacht haben, haben wir an Erfahrungen gewonnen. Einen geheimen Tipp, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, habe ich nicht, jedoch haben wir uns immer wieder daran erinnert, dass wir nichts zu verlieren haben und keine Angst vor dem Scheitern haben müssen. Eine unser größten Ängste war, was passiert, wenn wir „versagen“ würden. Jedoch hätten wir diese ganzen positiven Erfahrungen nicht erleben können, wenn wir es gar nicht erst versucht hätten.