Gründer Manuel Becker schafft es mit Locationscout.net seine Leidenschaft zum Beruf zu machen

Ich bin bereits seit meinem Studium selbstständig und habe stets nebenher als Web- und Grafikdesigner gearbeitet. Danach habe ich ein paar Jahre als Head of Product in unterschiedlichen Unternehmen im Webbereich gearbeitet und recht schnell zog es mich dann wieder dazu, meine eigenen Projekte in Vollzeit zu verfolgen. Bereits 2003 hatte ich die Plattform der-Webdesigner.net gegründet, die mit gut 1/4 Mio Zugriffen im Monat recht erfolgreich war, wenn ich es aus der Nutzerperspektive betrachte. Monetär habe ich es jedoch leider zum damaligen Zeitpunkt nicht geschafft allein davon leben zu können, daher war es Zeit für eine neue Idee, die bereits 2011 bei einem Urlaub in San Francisco entstanden ist. Dort hatte ich lediglich durch Zufall zum Sonnenaufgang an der Golden Gate Bridge eine einheimische Joggerin kennengelernt, die mir einen Foto-Spot weiter unten am Wasser empfohlen hatte. Ohne sie hätte ich diesen unfassbar schönen Strand niemals gefunden, daher kam mir die Idee zu Locationscout.net, einer Plattform auf der Fotografen und Reisende die schönsten Foto-Spots der Welt teilen und bewerten können sollten. Diese Idee hat mich seit dem nicht mehr losgelassen, so dass ich 2014 die Chance ergriff und meine Leidenschaft der Landschaftsfotografie mit meinem selbstständigen Beruf als Webdesigner kombinierte. 

Bei Locationscout habe ich mich zunächst ausschließlich auf den Mehrwert für den Nutzer orientiert, um mit der Plattform möglichst schnell wachsen zu können. Das hat sich recht schnell ausgezahlt, denn die Plattform wächst aktuell um rund 300-400% pro Jahr. Das Henne-Ei-Problem war daher unerwartet schnell gelöst, denn ohne Foto-Spots hat eine solche Plattform keinen Mehrwert und ohne Mehrwert kommen keine Fotografen, um sich darüber auszutauschen und Spots zu erstellen. Besonders an Locationscout ist dabei vor allem die Herangehensweise beim Finden der Spots, denn auch über Google lassen sich Fotos aus aller Welt suchen. Problematisch wird es jedoch dann, wenn es um die exakten Geo Daten geht. Ein weiteres Problem, auf das ich oft gestoßen bin, ist die Diversifikation der Bilder, soll heißen das, wenn ich nach einem Ort gesucht habe, dann sehe ich auf vielen Seiten stets dieselben Bilder und damit auch was alle anderen Touristen ebenfalls sehen. Auch hierfür soll Locationscout eine Lösung bereitstellen, denn Fotos werden nach Spots gruppiert und somit taucht ein und derselbe Spot im Idealfall auch nur einmalig in der Übersicht auf, so dass auch weniger bekannte und ggfs. noch schönere Stellen auffindbar gemacht werden. Zusätzlich sorgt ein Algorithmus dafür, dass die Spots nach ihrer Beliebtheit sortiert werden können, so dass in der Regel vor allem die fotografisch schönsten Stellen oben stehen und nicht die, an der sich die meisten Menschen aufhalten.

 

 

Finanziert werden soll die Plattform in Zukunft über ein Premium-Modell, das Fotografen noch mehr Informationen und Hilfen bietet. In Kombination dazu kann ich mir sehr gut die Zusammenarbeit mit für die Zielgruppe relevanten Unternehmen vorstellen, so dass zu jedem der über 6.000 Spots nicht nur die Anreise-Infos, Foto-Tipps, der Parkplatz, Sonnenauf- bzw. Untergang, idealer Zeitpunkt usw. angezeigt werden, sondern ebenso das ideale Equipment um das bestmögliche Foto an dieser entsprechenden Stelle zu machen. Für Wasserfälle bietet sich etwa ein ND-Filter an, der wie eine Sonnenbrille funktioniert und somit deutlich längere Belichtungszeiten und eine weiche Darstellung des fließenden Wassers ermöglicht.

Locationscout kommt vollständig ohne Partner oder Investoren aus. Das Kapital stammt vorrangig aus Kundenprojekten, die ich stets parallel dazu umgesetzt habe. Mir persönlich war es wichtig zunächst unabhängig zu wachsen, denn nur so kann ich ein Produkt bauen, dass sich ausschließlich auf den Mehrwert des Nutzers und nicht auf den Mehrwert für den Investor konzentriert, denn dieser möchte verständlicherweise irgendwann sein Geld wiedersehen. Der Zweck eines Unternehmens kann es aus meiner Sicht jedoch niemals sein damit Geld zu verdienen. Geld ist lediglich die Folge, niemals aber der Zweck. Ausschließen möchte ich spätere Gespräche mit Investoren aber natürlich nicht, denn wenn ein Unternehmen einen erwiesenen Nutzen und ein skalierendes Geschäftsmodell gefunden hat, ist dies definitiv die ideale Möglichkeit schnell wachsen zu können.

 

Den Satz, den ich am häufigsten höre, wenn ich von Locationscout und der Idee dahinter erzähle, ist: „Das ist ja genial! Die Idee hatte ich auch schon!“ Eine Idee zu haben ist schön, sie zu verfolgen, Tag und Nacht daran zu arbeiten, auch im Zweifel die Extrameile zu gehen, darauf kommt es letztendlich meiner Meinung nach an. Viele Gründer geben meiner Meinung nach viel zu schnell auf oder verlassen sich vollständig darauf, dass ein Investor ihnen schon das Risiko abnehmen wird. Mein größtes Learning in all den Jahren als Gründer war es, das es nicht darum geht möglichst gut eine konkrete Idee umzusetzen, sondern viel eher in kleineren Schritten möglichst schnell zu lernen. Für alles was ich tue stelle ich Hypothesen auf, überlege mir, wie ich diese beweisen oder widerlegen kann und baue darauf basierend kleinere Prototypen. Zudem habe ich gelernt die richtigen Fragen zu stellen, denn als ich 2014 nach dem Livegang von Locationscout etlichen Fotografen auf einer Reise in New York und Chicago davon erzählt hatte, waren alle begeistert. Fakt war jedoch, dass sich aus dieser Region zunächst niemand die Plattform angeschaut hatte, ganz egal wie persönlich ich die Fotografen angesprochen hatte. Neben der Gründung des Unternehmens sollten Gründer daher niemals vergessen, dass Sportler etwa 90% der Zeit im Training verbringen und nur 10% im Wettkampf. Für mich als Unternehmer bedeutet dies ganz besonders mich selbst stets weiterzubilden und jeden Tag neue Dinge und Fertigkeiten zu erlernen. Diese Aussage stammt übrigens aus dem Buch „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“ von Stefan Merath, das ich jedem der sich für das Thema interessiert wärmstens ans Herz legen kann.