Mit MealSaver gegen Lebensmittelverschwendung

Ich habe mich schon immer stark mit der Natur und meiner Umwelt verbunden gefühlt - sei es durch mein Studium als Umweltingenieurin, aber auch durch mein Engagement bei Foodsharing oder als ich eine Zeitlang containert habe. Dabei ist mir aber aufgefallen, dass es keine Möglichkeit gibt, das Essen direkt aus den Restaurants zu „retten“. Es fehlte bis dahin eine einfache und schnelle Lösung, die auch die Menschen erreicht, die sich vielleicht noch nicht so sehr mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Und genau das ist „MealSaver“ - einfach, schnell und umweltschonend. 

 

Mit der MealSaver-App verkaufen unsere Partnerrestaurants das Essen, das übrig geblieben ist und sonst entsorgt werden müsste, an die Nutzer unserer App. Die Portionen kosten zwischen einem und höchstens vier Euro. Der Nutzer kauft die MealSaver-Foodbox per App, geht zum vereinbarten Zeitpunkt zum Restaurant und holt sich die Box ab oder kann sie selbst befüllen. Die Box stellen wir den teilnehmenden Gastronomien, sie ist aus Zuckerrohr und biologisch abbaubar.

Wir haben eine große kulinarische Bandbreite in unserer App - von Sushi über vegane Donuts hin zu üppigen Buffets. Derzeit gibt es die App in Hamburg und Berlin; mehr als 200 Restaurants, Cafés und Bäckereien machen in beiden Städten mit. Die App wird es aber bald auch in anderen Städten geben, wie etwa Bochum, Düsseldorf, Dortmund, Köln und München. Danach folgen weitere Städte. Das Besondere an der App ist, dass sie Brücken schlägt, die es bis jetzt noch nicht gab: Zwischen Gastronomen, die zu viel übrig haben, und hungrigen Kunden. Wir wollen ein gesellschaftliches Tabu aufbrechen, dass übrig gebliebene Portionen schmecken können und es keinen Grund gibt, sie wegzuschmeißen. 

Neben der App sind wir dabei, ein deutschlandweites, teilweise sogar internationales Netzwerk aufzubauen, um gegen das Thema Lebensmittelverschwendung anzugehen. So stehen wir beispielsweise in Gesprächen mit Organisationen wie Foodsharing e.V. oder Verbänden der Tafeln. Es wäre schön, Restaurants und Nutzer der App mit denjenigen zu vernetzen, die Erfahrungen haben und wissen, wie Lebensmittelverschwendung rechtzeitig vermieden werden kann. 

Wir erhalten pro verkaufte Box einen Euro, mit der wir die laufenden Kosten decken und die App optimieren wollen. Wir sind sehr darauf bedacht, den Wünschen unserer Nutzer entgegen zu kommen. Bald wird es auch eine Filterfunktion geben, mit der nach kulinarischen Vorlieben, wie etwa vegan oder vegetarisch, gefiltert werden kann. 

Finanzielle Unterstützung erhalten wir von Ananda Ventures über den Social Venture Fund. Der Investor finanziert europaweit Sozialunternehmen. Ziel ist es, durch Kapital adäquate Beratung und Wissenstransfer, soziale Innovationen zu skalieren und somit eine positive Wirkung für die Gesellschaft zu erreichen. Die Unterstützung ist ein sechsstelliger Betrag. Wir hatten Glück mit Ananda, denn sie sind auf uns zugekommen und haben uns kontaktiert. Das Schöne ist, dass wir zudem eine sehr gute Betreuung erhalten und sie uns immer mit Rat zur Seite stehen.

 

Wir hatten am Anfang Angst, dass die Restaurants schwer von der Idee zu überzeugen seien. Das war aber nicht der Fall, wir hatten bereits in den ersten Wochen über hundert Restaurants, die bei uns mitgemacht haben. Was sich ein wenig schwieriger gestaltet hat, war vielmehr, bei den Nutzern auf diese Möglichkeit der "Lebensmittelrettung" aufmerksam zu machen. Wie gesagt, es scheint ein gesellschaftliches Stigma zu geben, dass zubereitetes Essen nur dann schmeckt, wenn es super frisch aussieht. Das stimmt aber nicht, das wissen wir doch auch von Zuhause. Aber je bekannter MealSaver wird und je mehr positive Erfahrungen gemacht werden - sprich, den Leuten schmeckt dieses Essen - desto einfacher ist es, von uns zu überzeugen. 

 

Ich glaube nicht, dass ich etwas anders machen würde, wenn ich MealSaver noch einmal gründen würde. Höchstens, dass ich vielleicht von Anfang an mit dem organisationalen Ansatz der "Reinventing Organizations" arbeiten würde, der auf eine starke Eigenverantwortung des Einzelnen im Team setzt.