Sonnenglas ist nicht nur sehr dekorativ und nachhaltig, sondern sichert auch 65 übertariflich bezahlte Vollzeit-Arbeitsplätze in Johannesburg

Sonnenglas auf Tisch

Ich würde mich als Unternehmertyp bezeichnen. Ich habe bereits mit 19 meine erste Firma gegründet. Die erste erfolgreiche, Aboalarm, dann 2008 während meines Studiums mit einem Kompagnon. Aboalarm ist ein Webdienst, der darauf spezialisiert ist, Kunden an Kündigungsfristen von Verträgen zu erinnern und auch die Kündigung übernimmt.

 

2013 bin ich privat durch Südafrika gereist und entdeckte dort in einem Restaurant wunderschöne Solarlichter, die als Dekoration die Terrasse erleuchteten. Ich war begeistert und wollte sofort wissen, woher die Lampen kamen. Also begann ich zu recherchieren und fand heraus, dass sie in Johannesburg von einem kleinen Betrieb in Handarbeit und zu fairen Bedingungen mit den Menschen aus den Townships hergestellt werden. Je mehr ich über das Projekt herausfand, je stärker wurde meine Begeisterung.

 

Als ich erfuhr, dass die Lampe nur regional erhältlich ist, war die Idee für Sonnenglas® geboren, das Sonnenlicht im Einmachglas auch in andere Länder zu bringen. Wir haben also eine Vertriebsstruktur aufgebaut, eine Plattform für den Onlinehandel entwickelt und begonnen, das Sonnenglas® in Deutschland bekannt zu machen. Das war vor drei Jahren.

Sonnenglas mit Engel

Wir sind ein Unternehmen, das an die Kraft des Handels glaubt. Wir vertreiben das Sonnenglas und sind für dessen Kommunikation und Marketing verantwortlich. Indem wir die zuvor rein regionale Vertriebsstruktur professionalisiert und auf Europa und die USA ausgeweitet haben, konnten wir als Handelsunternehmen maßgeblich zum Erfolg der Solarleuchte beitragen. Der größere Absatz sichert die Arbeitsplätze der Mitarbeiter in Johannesburg. Dabei handeln wir unternehmerisch verantwortlich und sorgen dafür, dass das Projekt sich nachhaltig entwickeln kann.

 

Das Sonnenglas® selbst ist einmalig. Es vereint grüne High-Tech Technologie mit einem nostalgischen Design und sozialen und fairen Produktionsbedingungen. Das Sonnenglas® hat bisher über 65 Vollzeit-Arbeitsplätze für Menschen in Johannesburg geschaffen, die vorher arbeitslos waren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Johannesburg werden über Tarif bezahlt, erhalten eine Versicherung und haben Anspruch auf eine Pension.

Sonnenglas mit Pflanze

Tatsächlich war es nicht leicht, Partner für unsere Geschäftsidee zu finden. Das Sonnenglas® ist ein nachhaltiges Produkt und uns liegen die fairen Produktionsbedingungen sehr am Herzen. Weil das Sonnenglas® vor diesem Hintergrund eine viel geringere Gewinnmarge bietet als herkömmliche Produkte, hat es eine Weile gedauert, unseren Markt zu finden.

 

Als Handelsunternehmen ist unser engster Partner natürlich der Produzent des Solarlichtes in Südafrika. Wir haben durch die gewachsene Vertriebsstruktur aber auch viele Handelspartner, die das Sonnenglas® über ihre Plattformen vertreiben. Die Investitionen wurden von uns selbst getätigt. Unter anderem mussten wir die digitale Infrastruktur entwickeln, Kommunikationsmaterialien erstellen und die Logistik aufbauen und vieles mehr. Dieses Risiko sind wir mit voller Überzeugung eingegangen, weil wir an unser Produkt und die Mitarbeiter, die es herstellen, glauben.

 

Als Unternehmer aus der digitalen Branche standen wir mit einem physischen Produkt vor für uns ganz neuen Herausforderungen. Wir hatten ja keine Erfahrungswerte für die Nachfrage nach dem Sonnenglas® und mussten erst lernen, diese richtig abzuschätzen, also nicht zu viel und auch nicht zu wenig herzustellen. Gleichzeitig mussten wir die langen Logistikwege berücksichtigen, über die wir ebenfalls kein Wissen hatten.

 

Zu anfangs standen wir vor der großen Frage: Gibt es überhaupt einen Markt für das Sonnenglas®? Interessieren sich die Menschen für unsere Geschichte und sind sie bereit für eine fair hergestellte Solarlampe etwas mehr zu bezahlen? Erfolgreiche Fair Trade Produkte kennt man ja vor allem im Lebensmittelbereich. Ob wir das Modell auch auf ein Elektronikprodukt anwenden können, war ein großes Fragezeichen. Die Antwort haben wir inzwischen und wir sind glücklich und stolz zu sagen: Das Interesse am Sonnenglas® gibt es und die Leute kaufen unsere Lampe.

Sonnenglas am Baum

Ich muss mich in eine Idee richtig verlieben, sodass ich an nichts anderes mehr denken kann. In diesem Zustand schöpfe ich dann die nötige Inspiration, Motivation und Energie über die unzähligen Hürden hinwegzusehen. Das ist für mich ein wichtigeres Erfolgsindiz als Zahlen und Businesspläne.

 

Ich würde jedem Gründungsinteressierten ermutigen auch Dinge zu machen, mit der er oder sie vorher noch keine Erfahrung hatte. Oft führt dieser branchenfremde Blick zu neue Sichtweisen und frischen Ideen.

 

Wenn ich noch mal am Anfang meiner Gründung stehen würde, dann würde ich schon früher Verantwortung auf neue Mitarbeiter übertragen. Die Gefahr als Unternehmer ist immer, dass man alles selbst machen will. Das kann hohe Opportunitätskosten mit sich bringen. Man sollte eher versuchen sich so früh es geht selbst zu ersetzen, sodass man sich auf seine Kernaufgabe konzentrieren kann: Die Vision des Unternehmens voranzubringen.

 

 

Interview mit Stefan Neubig, Gründer von Sonnenglas®