Vimcar - mit dem elektronischen Fahrtenbuch bares Geld sparen

Meinen Kollegen und Vimcar-Mitgründer Christian Siewek habe ich bereits während der Studienzeit in St. Gallen kennengelernt. Im Rahmen des Masterstudiums hatten wir ein einjähriges Forschungsprojekt zu absolvieren. Ich war bei Audi und Christian bei Haufe Lexware, Deutschlands Marktführer in Sachen Finanzsoftware. Mir ist während dieser Zeit aufgefallen, dass es im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung des Automobilbereichs mehr herstellerübergreifende Lösungen geben muss: Die meisten Autobauer entwickeln nämlich fast ausschließlich Connected Car Lösungen für die eigene Marke. Der Großteil der gewerblichen Kunden, sei es nun der Handwerksbetrieb um die Ecke oder ein multinationaler Konzern, betreibt aber einen Fuhrpark, der sich aus Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller zusammensetzt. Mit Insellösungen der einzelnen Hersteller können diese Betriebe einfach nichts anfangen. Schnell wurde uns klar, dass der effizienteste Weg moderner Fuhrparkvernetzung nur über herstellerübergreifende Software geht - das ist die große Startup-Chance.

Uns war bewusst, dass es schwierig sein würde, das Interesse vor allem kleiner und mittelgroßer Betriebe ohne eigenen Fuhrparkspezialisten zu wecken. Wir wählten also ein einfaches Einstiegsprodukt, mit dem grundsätzlich jeder etwas anfangen kann und das dringend “reformbedürftig” ist: das Fahrtenbuch. Fahrtenbücher dienen entweder als Dokumentationsgrundlage für die Versteuerung des privaten Nutzungsanteils eines Firmenfahrzeuges oder sind eine lästige Pflichtauflage für rein betrieblich genutzte Pool-Fahrzeuge. Bisher gab es aber nur lästige handschriftliche Fahrtenbücher, die nicht selten zu Ärger mit dem Finanzamt führen und für viele Steuerzahler der blanke Horror sind. Alternativ könnte zwar auf die bequeme 1%-Versteuerung ausgewichen werden - diese ist in vielen Fällen jedoch enorm teuer.

 

Unser digitales Fahrtenbuch führt beim Steuerzahler zu einer sichtbaren Erleichterung im beruflichen Alltag und schont zudem den Geldbeutel: Gegenüber der Pauschalversteuerung lassen sich jährlich Steuern im vierstelligen Bereich sparen. Vimcar hebt sich von Konkurrenzprodukten auf dem Markt ab, da es mit einer sehr zuverlässigen Fahrtenerfassung arbeitet und die strengen rechtlichen Anforderungen an ein Fahrtenbuch erfüllt. Die Lizenz für das Vimcar Fahrtenbuch kann gegen eine monatliche Gebühr von 15,90 Euro gemietet werden.

 

Zu den Bestandteilen gehört ein kleiner “Fahrtenbuchstecker” und eine dazugehörige Software. Der Stecker wird in der OBD-Schnittstelle des Fahrzeuges, meist unter dem Lenkrad, eingesteckt und zeichnet die für das Finanzamt notwendigen Informationen während jeder Fahrt automatisch auf. Unmittelbar nach dem Ende der Fahrt überträgt der “digitale Helfer”, der über eine SIM-Karte und ein GPS-Modul verfügt, die Daten aus der Fahrzeugelektronik automatisch in die Vimcar Software. Per Smartphone oder PC können die Fahrten dann gemäß der rechtlichen Vorgaben verwaltet werden. So entsteht ein finanzamtkonformes Fahrtenbuch, das bei Bedarf jederzeit an die Steuerbehörde oder den Steuerberater weitergereicht werden kann.

In der Vermarktung setzen wir auf starke Kooperationspartner mit passender Reichweite. Dazu gehören Branchenriesen wie der Deutsche Steuerberaterverband, Haufe Lexware, DATEV und Media Markt. Damit können wir bei bestehenden und potenziellen Nutzern das notwendige Vertrauen in unser Produkt sicherstellen.

 

Bei der Gründung hat uns das Netzwerk der Universität St. Gallen geholfen: Unser Startkapital haben wir von dem Schweizer Business Angel Christoph Maire erhalten, der selbst Alumnus der Universität ist. Er hat uns ab Minute 1 nicht nur finanziell unterstützt, sondern uns mit seinem umfassenden Netzwerk einige Türen geöffnet. Mittlerweile erhalten wir die notwendigen Finanzmittel auch von anderen Investoren.

Die drei Vimcar-Gründer Christian Siewek, Lukas Weber und Andreas Schneider
Die drei Vimcar-Gründer Christian Siewek, Lukas Weber und Andreas Schneider

Zu Beginn lag eine der größten Schwierigkeiten darin, einen starken Fokus zu setzen und diesen auch durchzuhalten. Man muss nicht sofort den großen Google-Plan entwickeln. In unserem Fall haben wir den Fokus auf die Fahrtenbuch-Nische gelegt, auch wenn die Steuerproblematik weder sexy noch im Trend ist. Rückblickend hat sich das Durchhalten des Hyperfokus aber bewährt, denn wir haben Vimcar zu einer effizienten Mini-Marke mit signifikanten Umsätzen gemacht, worauf wir jetzt aufbauen können.

 

Jedem, der über ein eigenes Unternehmen nachdenkt, würde ich den Tipp geben, die Dienstleistung oder das Produkt so schnell wie möglich am Markt anzutesten. So bekommt man den besten Eindruck, was der Kunde wirklich will. Wer dagegen perfektionistisch lange vor sich hin tüftelt, läuft Gefahr, ein Produkt auf den Markt zu bringen, welches der Kunde gar nicht (mehr) möchte.

 

Interview mit dem Vimcar-Geschäftsführer Andreas Schneider