Interview mit vantastec-Gründer Carsten Detzer

Wie ist die Idee entstanden?

Ich bin ein Solopreneuer und hatte die Idee zum Moodboard bei einem Californienurlaub 2013. Im Jahr 2014 habe ich einen umfangreichen Businessplan geschrieben und mich, nur mit dem Konzept, auf die Suche nach einem Businessangel gemacht. Diesen dann auch gefunden und im Januar 2015 haben wir die jetzige Firma gegründet. Ursprünglich wollte ich nach Berlin-Kreuzberg und dort die Produktentwicklung umsetzen. Aber um einen leanen Ansatz zu verfolgen, haben wir uns dann dazu entschieden, diese teure Entwicklungsphase ins Ausland off-zu-shoren. Wir haben uns dann für Skopje Mazedonien entschieden.

 

 

Warum genau Mazedonien?

Ich hatte vorher eine kleine Internetagentur geführt und bereits regelmäßig die Aufträge an internationale Partner abgegeben. Daher hatte ich langjährige Kontakte nach Indien, Ukraine und Mazedonien. Ich hatte dann die Softwarediagramme verschickt mit der Frage, ob sie glauben, das könne man zusammen umsetzen. Letztlich haben wir uns dann für Skopje entschieden, da dort eine superschnelle und günstige Flugverbindung vorhanden ist, man gut Talente finden und motivieren kann und natürlich auch weil ich meinem Partner Nenad Fidanovski dort vertraut habe.

 

Und dann bist du dort runter gezogen?

Genau. Das Konzept enthielt noch viele Variablen und ich wollte, dass es richtig gemacht wird. Deshalb bin ich tatsächlich Anfang Januar 2015 nach Skopje gezogen. Wir haben eine 100% Tochtergesellschaft gegründet, ein Büro angemietet und Entwickler eingestellt.

 

Wie war Mazedonien und wie war es dort zu arbeiten?

Es war im wahrsten Sinne des Wortes, unbeschreiblich. Alles ist auf Kyrillisch und man hat enorme Kommunikationsprobleme im Alltag. Wir haben alles auf Englisch besprochen. Konnten hervorragende Mitarbeiter finden, welche sogar deutsch gesprochen haben, und haben uns Schritt für Schritt zum Ziel gekämpft. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist aber sehr gut dort. Deshalb habe ich auch ein zweites Unternehmen dort gegründet, um westlichen Startup Unternehmern die Ähnliches machen möchten den Einstieg dort zu ermöglichen. Unter www.baylean.com findet man Informationen hierzu.

Zurück zu vantastec: Was ist am Produkt so einzigartig? 

Wir sind ja nicht die Einzigen, die virtual dressing machen auf der Welt. Aber unser Ansatz unterscheidet sich grundlegend von dem Wettbewerb. Wir verfolgen den Ansatz, dass es sich dabei um Werbung handelt. DOOH (digital out of home) heißt dieser Markt. Unsere Marktbegleiter sind alle im Bereich Entertainment oder In-Store-Technologie angesiedelt.

Was wir bieten, ist eine Branchenlösung. Wir geben eine Infrastruktur mit unseren Geräten vor, zum Beispiel in Einkaufszentren. Unsere Kunden sind vertikale Bekleidungshändler, also Ketten, die in jedem dieser Einkaufszentren Geschäfte betreiben. Diese können nun Tickets für spezifische Zielgruppen buchen. Zum Beispiel bucht Orsay die Zielgruppe weiblich, junge Erwachsene für den Monat Dezember und Engbers männliche Erwachsene. Orsay produziert nur Mode für junge Frauen und interessiert sich daher nicht Männer oder ältere Frauen anzusprechen. Und Engbers produziert nur Mode für Herren und interessiert sich daher nicht junge Frauen anzusprechen.

 

Also zielgruppenspezifische Werbung?

Genau. Hier liegt unsere Unterscheidungsfähigkeit zum Wettbewerb. Unser Gerät wertet vollautomatisch alle Passanten aus, die darauf zugehen und zeigt diese ad-hoc mit anderer Kleidung. Wir nennen das ein Top-Down-System. Die Marktbegleiter verfolgen alle ein Bottom-Up-System. Dort musst du über Opt-in das Gerät bedienen.

Ziel des Ganzen ist es die Besucher des Einkaufszentrums dazu zu bewegen, auf die Fläche des Händlers zu gehen und die Kleidung zu kaufen. Man kann auch mit dem Smartphone einen QR-Code auf den Displays unserer Geräte scannen, ist dann auf dem Onlineshop des Händlers und kann die Waren auch so kaufen.

 

Wie wollt ihr es schaffen den Markt zu erobern?

Wir möchten unsere Infrastruktur so schnell wie möglich massiv ausbauen. Hier möchten wir mit digital signage Integratoren zusammenarbeiten. Grundsätzlich sind wir eine Medien- und Realisationsagentur.

 

Plant ihr Kapital aufzunehmen?

Ja. Um diesen großen Apparat aufzubauen, benötigen wir weiteres Kapital. Aber auch Partnerschaften. Wir sind offen für Gespräche in diesem Bereich.